Bava Kamma 172

Kapitel 172

א דמיכלמו ליה ומיכלם:
1 falls er sich schämt, wenn man ihn beschämt.
ב <big><strong>מתני׳</strong></big> המבייש את הערום המבייש את הסומא והמבייש את הישן חייב וישן שבייש פטור נפל מן הגג והזיק ובייש חייב על הנזק ופטור על הבושת עד שיהא מתכוין:
2 <b>W</b><small>ER EINEN</small> N<small>ACKTEN</small><small>BESCHÄMT, EINEN</small> B<small>LINDEN BESCHÄMT, ODER EINEN</small> S<small>CHLAFENDEN BESCHÄMT, IST SCHULDIG; WENN ABER EIN</small> S<small>CHLAFENDER JEMAND BESCHÄMT, SO IST ER FREI</small>. W<small>ENN JEMAND VON EINEM</small> D<small>ACHE HERABFÄLLT UND EINEN BESCHÄDIGT UND BESCHÄMT, SO IST ER WEGEN DER</small> B<small>ESCHÄDIGUNG SCHULDIG UND WEGEN DER</small> B<small>ESCHÄMUNG FREI; NUR WENN ER ES BEABSICHTIGT HAT.</small>
ג <big><strong>גמ׳</strong></big> ת"ר ביישו ערום חייב ואינו דומה ביישו ערום לביישו לבוש ביישו בבית המרחץ חייב ואינו דומה ביישו בבית המרחץ לביישו בשוק
3 GEMARA. Die Rabbanan lehrten: Wer einen Nackten beschämt, ist schuldig, jedoch ist die Beschämung eines Nackten nicht mit der Beschämung eines Bekleideten zu vergleichen; wer einen in einer Badeanstalt beschämt, ist schuldig, jedoch ist die Beschämung in einer Badeanstalt nicht mit der Beschämung auf der Straße zu vergleichen.
ד אמר מר ביישו ערום חייב ערום בר בושת הוא אמר רב פפא מאי ערום דאתא זיקא כרכינהו למאניה ואתא הוא דלינהו טפי וביישיה
4 Der Meister sagte: Wer einen Nackten beschämt, ist schuldig. Ist ein Nackter denn beschämungsfähig!? R. Papa erwiderte: Unter nackt ist zu verstehen, wenn ein Wind ihm die Kleider hochgehoben und jener sie noch mehr hochgehoben und ihn beschämt hat. –
ה ביישו בבית המרחץ חייב בית המרחץ בר בושת הוא אמר רב פפא שביישו על גב הנהר
5 ‘Wer einen in einer Badeanstalt beschämt, ist schuldig.’ Ist man denn in einer Badeanstalt beschämungsfähig!? R. Papa erwiderte: Wenn er ihn am Ufer des Flusses beschämt hat.
ו בעי ר' אבא בר ממל ביישו ישן ומת מהו מאי קמבעיא ליה אמר רב זביד הכי קמבעיא ליה משום כיסופא הוא והא מית ליה ולית ליה כיסופא או דלמא משום זילותא הוא והא אוזליה
6 R. Abba b. Mamal fragte: Wie ist es, wenn jemand einen Schlafenden beschämt hat und dieser gestorben ist? – Was ist ihm da fraglich? R. Zebid erwiderte: Folgendes ist ihm fraglich: erfolgt dies wegen des Schamgefühles, und dieser ist ja tot und schämt sich nicht, oder erfolgt dies wegen des Schimpfes und er hat ihn ja beschimpft? –
ז ת"ש ר"מ אומר חרש וקטן יש להן בושת שוטה אין לו בושת אא"ב משום זילותא היינו דקתני קטן אלא אי אמרת משום כיסופא קטן בר בושת הוא
7 Komm und höre: R. Meír sagt, bei einem Tauben und Minderjährigen gebe es eine Beschämung, bei einem Blöden gebe es keine Beschämung. Einleuchtend ist dies hinsichtlich eines Minderjährigen, wenn du sagst, es erfolge wegen des Schimpfes, wenn du aber sagst, wegen des Schamgefühles, so ist ja ein Minderjähriger nicht beschämungsfähig!? –
ח אלא מאי משום זילותא אפילו שוטה נמי אמרי שוטה אין לך בושת גדולה מזו
8 Wenn etwa wegen des Schimpfes, so sollte dies auch von einem Blöden gelten!? – Ich will dir sagen, es gibt ja keinen größeren Schimpf als blöde zu sein. –
ט מכל מקום ניפשוט מינה דמשום זילותא הוא דאי משום כיסופא קטן בר כיסופא הוא כדאמר רב פפא דמיכלמו ליה ומיכלם הכא נמי דמיכלמו ליה ומיכלם
9 Aber immerhin ist ja hieraus zu entnehmen, daß dies wegen des Schimpfes erfolge, denn wenn wegen des Schamgefühles, so ist dies ja bei einem Minderjährigen nicht der Fall!? – Wie R. Papa erklärt hat, falls er sich schämt, wenn man ihn beschämt, ebenso auch hierbei, falls er sich schämt, wenn man ihn beschämt.
י רב פפא אמר הכי קמבעיא ליה משום כיסופא דידיה הוא והא מיית ליה או דלמא משום בושת משפחה
10 R. Papa sagte: Seine Frage lautete wie folgt: Erfolgt dies wegen seiner Beschämung und er ist ja tot, oder erfolgt dies wegen Beschämung der Familie? –
יא תא שמע חרש וקטן יש לו בושת שוטה אין לו בושת אי אמרת בשלמא משום בושת משפחה היינו דקתני קטן אלא אי אמרת משום כיסופא דידיה קטן בר בושת הוא
11 Komm und höre: Bei einem Tauben und einem Minderjährigen gibt es eine Beschämung, bei einem Blöden gibt es keine Beschämung. Einleuchtend ist dies von einem Minderjährigen, wenn du sagst, dies erfolge wegen der Beschämung der Familie, wenn du aber sagst, wegen seiner Beschämung, so ist ja ein Minderjähriger nicht beschämungsfähig. –
יב אלא מאי משום בושת דבני משפחה אפי' שוטה נמי שוטה אין לך בושת גדולה מזו
12 Wenn etwa wegen Beschämung der Familie, so sollte dies auch von einem Blöden gelten? – Es gibt keinen größeren Schimpf als blöde zu sein. –
יג מ"מ ניפשוט מינה דמשום בושת משפחה דאי משום כיסופא קטן בר כיסופא הוא אמר רב פפא אין דמיכלמו ליה ומיכלם
13 Aber immerhin ist ja hieraus zu entnehmen, daß dies wegen Beschämung der Familie erfolge, denn wenn wegen seiner Beschämung, so ist ja ein Minderjähriger nicht beschämungsfähig. R. Papa erwiderte: Falls er sich schämt, wenn man ihn beschämt.
יד והתניא ר' אומר חרש יש לו בושת שוטה אין לו בושת קטן פעמים יש לו פעמים אין לו הא דמיכלמו ליה ומיכלם הא דמיכלמו ליה ולא מיכלם:
14 Es wird auch gelehrt: Rabbi sagte: Bei einem Tauben gibt es eine Beschämung, bei einem Blöden gibt es keine Beschämung, bei einem Minderjährigen gibt es zuweilen eine Beschämung und zuweilen nicht; das eine, falls er sich schämt, wenn man ihn beschämt, das andere, falls er sich nicht schämt, wenn man ihn beschämt.
טו המבייש את הסומא וכו': מתניתין דלא כר' יהודה דתניא ר' יהודה אומר סומא אין לו בושת וכך היה ר' יהודה פוטר מחייבי גליות ומחייבי מלקיות ומחייבי מיתות ב"ד
15 E<small>INEN</small> B<small>LINDEN BESCHÄMT</small> &amp;<small>C</small>. Unsere Mišna vertritt also nicht die Ansicht R. Jehudas, denn es wird gelehrt: R. Jehuda sagt, bei einem Blinden gebe es keine Beschämung. Ebenso befreit ihn R. Jehuda von der Geißelung, von der Verbannung und von der Todesstrafe durch das Gericht. –
טז מ"ט דר' יהודה גמר עיניך עיניך מעדים זוממין מה התם סומין לא אף הכא סומין לא
16 Was ist der Grund R. Jehudas? – Er folgert dies durch [das Wort] <i>Auge</i> von den überführten Falschzeugen; wie bei diesen Blinde ausgeschlossen sind, ebenso sind auch hierbei Blinde ausgeschlossen.
יז מחייבי גליות דתניא (במדבר לה, כג) בלא ראות פרט לסומא דברי ר' יהודה ר' מאיר אומר לרבות את הסומא
17 Von der Verbannung, denn es wird gelehrt:<i>Ohne es zu sehen,</i> ausgenommen der Blinde – so R. Jehuda; R. Meír sagt, dies schließe den Blinden ein. –
יח מ"ט דר' יהודה אמר לך (דברים יט, ה) ואשר יבא את רעהו ביער לחטוב עצים ואפי' סומא כתב רחמנא בלא ראות למעוטי
18 Was ist der Grund R. Jehudas? – Er kann dir erwidern: <i>wenn einer mit seinem Nächsten in den Wald geht, um Holz zu fällen,</i> auch ein Blinder, und wenn der Allbarmherzige darauf schreibt: <i>ohne es zu sehen,</i> so ist dies ausschließend. –
יט ור' מאיר כתב רחמנא בלא ראות למעוטי וכתב רחמנא (דברים יט, ד) בבלי דעת למעוטי הוי מיעוט אחר מיעוט ואין מיעוט אחר מיעוט אלא לרבות
19 Und R. Meír!? – Der Allbarmherzige schreibt: <i>ohne es zu sehen,</i> ausschließend, und er schreibt ferner:<i>ohne es zu merken,</i> ebenfalls ausschließend; dies ist also eine Ausschließung nach einer Ausschließung, und eine Ausschließung nach einer Ausschließung ist einschließend. –
כ ור' יהודה ההוא בבלי דעת פרט למתכוין הוא דאתא
20 Und R. Jehuda!? – [Die Worte] <i>ohne es zu merken</i> schließen die Vorsätzlichkeit aus.
כא חייבי מיתות ב"ד אתיא רוצח רוצח מחייבי גליות
21 Von der Todesstrafe durch das Gericht, denn dies ist durch [das Wort] <i>Mörder</i> von der Verbannung zu entnehmen.
כב חייבי מלקיות אתיא רשע רשע מחייבי מיתות בית דין
22 Von der Geißelung, denn dies ist durch [das Wort] <i>Frevler</i> von der Todesstrafe zu entnehmen.
כג תניא אידך ר' יהודה אומר סומא אין לו בושת
23 Ein Anderes lehrt: R. Jehuda sagt, hei einem Blinden gebe es keine Beschämung,